Meine Oma ist mein großes Vorbild. Und: meine Oma ist der Knaller. Sie ist dickköpfig und (wie es bei uns heißt) „eigenweis“, sie steckt voller Energie und Ideen. Sie hat unsere gesamte weitschweifende Familie im Griff und in ihrem Leben schon so Manches mit Zähigkeit, Witz und Durchhaltungsvermögen gewuppt. Auch wenn sie mindestens genau so viel verloren hat. Kein Wunder also, dass ihr Motto lautet: „Kann-nicht liegt auf dem Friedhof und Will-nicht gleich daneben.“ Soll heißen: Es geht im Leben darum, Ziele zu haben, nicht aufzugeben, positiv zu bleiben, sich selbst etwas zuzutrauen und das Schöne zu sehen.

Von meiner Oma hat die Hauptfigur meines gerade im Heyne Verlag erschienenem Romans „Sind dann mal weg“ nicht nur den Namen (Jantina-Aleida, kurz Tina), sondern auch so mache Charakterzüge, Eigenheiten und Fähigkeiten.

Ein paar Beispiele gefällig?

 

  • Meine Oma war über 50 als sie das Seepferdchenabzeichen machte. Obwohl sie ihr ganzes Leben an verschiedenen Grachten und Sloten (Wassergräben) wohnte und im Winter mit Schlittschuhen zur Schule, später zur Arbeit fuhr, konnte sie lange Zeit nicht schwimmen. Erst als ich meinen Frühschwimmer machte, meldete sie sich auch an. Ab da gingen wir gemeinsam ins Meer.

 

  • Meine Oma argwöhnt, ich könnte in Deutschland verhungern und verdursten und richtigen Kaffee gäbe es hier auch nicht. Deshalb erhalte ich regelmäßige Überlebenspakete mit Käse, Kaffee, Tee (der letzte Schrei: Gurke!), Bauernwürsten und surinamischen Gewürzen.

 

  • Ließen sich Holländischen Heringe problemlos verschicken, würde sie sicher auch davon ein paar dazustecken. So jedoch haben wir unsere eigene Fischtradition, wenn ich bei ihr bin: An einem Tag gibt es mittags Lekkerbekje (frischgebackener Fisch) von „unserem“ Fischmann Ben und für das nächste Frühstück Heringe und Aal. Beides übrigens Fische, die niemand so schnell ausnehmen, schuppen und sauber machen kann wie Jantina. Aber niemand macht auch so leckere Tomatensuppe, Speklapjes mit braunen Bohnen oder Kapucijners!
  • Oma Tina strickt sehr gerne. Als Kind bestrickte sie mich von oben nach unten und zurück: Mützen, Schals, Pullover, Handschuhe, Hosen (kein Witz), Socken. Je älter ich wurde, desto mehr Mitsprache hatte ich auch bei Farben und Mustern :o) Doch am neidischsten war ich auf das, was mein Cousin von ihr gestrickt bekam: Einen Ganzkörperanzug den Farben seines Fußballvereins De Graapschap, plus aufgebrachter Strickpuppe. Dazu muss man wissen, dass mein Cousin zu der Zeit schon erwachsen und über 2 Meter groß war. Das Ganze fungierte als seine Faschingsverkleidung: In den Niederlanden folgt jeder Alkoholwerbung die Warnung „Geniet maar drink met mate“ – genieße aber trinke in Maßen. Spricht man den Slogan jedoch nur aus, kann man auch verstehen: Genieße aber trink mit Freunden. (maat = Kumpel). Also hängte sich mein Cousin den Slogan um die Hand und ging feiern – mit Strickkumpel.
  • Ein weiteres Hobby: Lesen. Je mehr Seiten ein Buch hat, desto besser, Schmöker müssen es sein, am liebsten historische. Aber auch Familiengeschichten haben es meiner Großmutter angetan, die beste Kombi also: historische Familienschmöker. Da Familie allerdings nicht zwangsläufig miteinander verwandt sein muss, fällt zum Glück auch „Sind dann mal weg“ unter die Kategorie „auf dem Bücherstapel meiner Oma“. Zu ihrem Geburtstag las ich übrigens ein paar Seiten „Sneak Preview“ vor.

Inzwischen hat sie natürlich ihr eigenes Exemplar. Und dazu mein Reisetagebuch mit Fotos von meinem Recherche-Trip zum Buch – ich fuhr dieselbe Strecke ab wie meine Hauptfiguren. Etliches also ist erfunden, manches aber auch nicht …

 

Wer Lust hat, einen Blick hineinzuwerfen: Einen Auszug aus dem Reisetagebuch findet hier hier.

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