Der Verein KinderLachen009 Rügen e. V. kümmert sich um Kinder in Not – in Entwicklungsländern, aber vor allem um Kinder vor Ort in der eigenen Region. Mit regelmäßigen Spenden unterstützt der Verein das Kinderwaisenheim Sanct Benedict Scolastica in Chittagong in Bangladesch. Vor allem kümmert sich KinderLachen009 Rügen e. V.  aber auch gezielt um Einzelschicksale in der näheren Umgebung, indem schwer erkrankten Kindern in Not Alltagshilfen und Unterstützung bei Therapien zur Verfügung gestellt werden oder ein besonderer Wunsch erfüllt wird.

Diese Spenden sollen die individuelle Situation der Kinder verbessern und zum weiteren Therapieerfolg beitragen. Deshalb ist es KinderLachen009 Rügen e.V. besonders wichtig, einen direkten Kontakt zu den Kindern und ihren Familien aufzubauen, um zu entscheiden, wofür die Spenden eingesetzt werden sollen.  Das Besondere am Verein ist, dass die Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf Rügen durch die Organisation von z. B. Kinderfesten ganz aktiv gleich Kinder an gemeinsamen Aktivitäten beteiligen. So erhalten auch die Kleinsten auf Augenhöhe ein Bewusstsein für die besonderen Bedürfnisse von Kindern in Not oder mit körperlichen Einschränkungen vermittelt. Damit leistet der Verein neben der konkreten Unterstützung auch einen großen Beitrag zur gesellschaftlichen Aufklärung.

Frau Coordt, können Sie uns etwas zum Hintergrund und der Idee des Vereins „KinderLachen009 Rügen“ erzählen?

Antje Coordt: Die Gründung des Vereins KinderLachen009 Rügen e. V. beruht auf der Erfahrung bei meinen Auslandseinsätzen als Ärztin, beziehungsweise meinen Reisen in Entwicklungsländer, die unter der Prämisse standen, dass ich den Schwächsten in der Gesellschaft helfen möchte. Daneben habe ich mehrfach in verschiedenen Ländern gesehen, dass Geldspenden von Hilfsorganisationen nicht ankamen und die Bedürftigen nicht direkt erreicht haben.  Aus dem Grund habe ich beschlossen, konkret zu helfen.

Menschen, die Gutes tun und Bedürftigen helfen wollen, darf man nicht enttäuschen. Es gibt Menschen, die z. B. nur wenige Euro übrig haben, was in diesen Ländern aber wahnsinnig viel Geld ist und viel bewirken kann. Diese Leute darf man nicht enttäuschen und sagen, das Geld wird dankend angenommen, aber wir wissen nicht, wohin es geht. Ich will sagen können, das Geld wurde für dieses Kind ausgegeben, damit es eine Schulbildung erhält oder damit es eine schwere Krankheit besser ertragen kann. Mit dieser Idee bin ich nach einer dieser Reisen zurückgekommen und habe mit Mitstreitern überlegt, was wir hier vor Ort tun können. Daraus entstand die Idee zur Gründung des Vereines.

Es ist natürlich eine Riesenaufgabe für uns gewesen, schließlich ist es eine ehrenamtliche Tätigkeit, aber die Idee zu KinderLachen009 Rügen und auch der Dank der Kinder, die bedacht werden, entschädigt uns für Vieles, was wir an Schweiß und Mühe und Intensität als Preis in die Vereinstätigkeit einbringen.

Von der Idee konnten Sie nach und nach mehr Menschen überzeugen?

Antje Coordt: Wir haben die Idee an Freunde und Bekannte weitergegeben, und dann kamen mehr und mehr Mitstreiter dazu. Als die Menschen sahen, dass das, was wir machen, genau der Grund ist, warum sie spenden wollen, haben sie sich uns angeschlossen und gesagt, das vertreten sie auch.
Dadurch haben wir sehr viele Unterstützer gefunden. Und weil das Größte, was ich erlebt habe und immer wieder erlebe, das Lächeln von Kindern ist, ihr Lachen und ihre freudigen Augen, haben wir den Verein, den wir schließlich gründeten, „KinderLachen“ genannt. Ganz bewusst in dieser Schreibweise.

Wie sieht die Arbeitsweise des Vereins aus – Leisten Sie ausschließlich Hilfe in Form von Sach- und/oder Geldspenden?

Antje Coordt: Nein, wir arbeiten eben nicht nur so wie andere Hilfsorganisationen und unterstützen in materieller Form, sondern auch in ideeller Weise. Wir vermitteln das Phänomen des Nehmens und Gebens immer gleichzeitig. Wir veranstalten Kinderfeste und die Kinder geben uns mit ihrem Engagement etwas zurück. Beispielsweise gab es am 1. Juni 2018 in einer Grundschule in Stralsund einen Spendenlauf, dessen Erlös teilweise an unseren Verein gespendet wurde.  Bei diesem Spendenlauf wurden die Kinder im Vorfeld von den Lehrerinnen schon darauf aufmerksam gemacht, wofür sie laufen. Die Kinder sollen wissen, wofür sie sich bei einer solchen Aktion engagieren. Ich finde es spannend, wie sich das als Welle im Leben fortsetzt.

Im Gegenzug versuchen wir dann auch, Informationen über die Vergabe der Spendengelder an die Kinder, die sich engagiert haben, zurückzugeben. Ein gutes Beispiel ist die Grundschule Boddenwind in Putbus, die vor einiger Zeit einen Sponsorenlauf für uns veranstaltet hat. Wir haben das Geld zu dem Waisenheim in Bangladesch mitgenommen, das wir dauerhaft unterstützen, dieses Geld dort überreicht und Fotos gemacht. Diese Fotos haben wir wieder mitgebracht, damit die Kinder hier sehen, wo das Geld hingekommen ist. Sie hatten Briefe geschrieben und Bilder gemalt, die wir in Bangladesch direkt an die Kinder gaben. Diese Transparenz ist für uns ganz wichtig, dass eben nicht einfach Geld als Spende weitergegeben wird, sondern dass auch eine Bindung zwischen den Kindern hergestellt wird.

Sie sind Initiatorin und im Moment auch Vorstandsvorsitzende?

Antje Coordt: Ja, das resultiert aus meinen Erfahrungen in den Entwicklungsländern und dem Wunsch, selbst aktiv zu werden. Wir haben in unserer Arbeit zwei Schwerpunkte, einmal die Idee, dass wir Kindern in Entwicklungsländern helfen möchten und zum zweiten möchten wir krebskranken und bedürftigen Kindern hier in Deutschland helfen. Das ist natürlich ein großes Spektrum. Wir versuchen, sehr konkret zu helfen. Wenn ich Reisen antrete, um Spendengelder in Entwicklungsländern zu übergeben, versuche ich stets, ein anderes Mitglied unseres Vereins mitzunehmen. So ist z. B. Frau Meißner einmal mit nach Bangladesch gereist, 2015 begleitete mich Ute Oberhoffner nach Chittagong und Christin Juhnke war 2017 mit mir in Brasilien.

Mandy Meißner: Man kann sich das aus der Ferne erst einmal nicht vorstellen. Wir sind eine Woche im Waisenheim in Bangladesch gewesen. Dieser erste Moment, in dem die Kinder auf uns zugelaufen sind und uns begrüßt haben, das war so wunderschön. Das wenige, was sie zu essen haben, haben sie mit uns geteilt, zu jeder Mahlzeit. Sie finanzieren sich mittlerweile ganz, ganz toll über weite Strecken von allein, haben sich kleine Gärten angelegt auf dem Gelände, damit sie Gemüse anbauen können. Die Kinder werden daran herangeführt, nicht nur in dieser Gemeinschaft etwas für sich zu tun, sondern auch später für sich und ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Dabei wird auch die Schule eingebunden.

Wenn man in die Slums geht und man kann mit Luftballons, ein paar Haarreifen und ein bisschen Singen Hunderte von Kindern bewegen und ihnen ein Lächeln schenken, dann ist das ein sehr schönes Erlebnis. Diese Freude, ich kann es kaum beschreiben.

 

Antje Coordt: Es ist uns wichtig, den Kindern das Gefühl zu geben, sie sind als Mensch etwas wert. Dort sind sie ein Kind unter Millionen. Sie bekommen im Alltag wenig Anerkennung, die Mädchen sind dort nichts wert. Wenn nun jemand von außen kommt, der ihnen sagt, toll, dass Du lernen möchtest und ihnen Aufmerksamkeit schenkt, dann ist das für diese Kinder ungemein wertvoll. Nur allein dafür lohnt es sich schon, dort vor Ort zu helfen.

Mandy Meißner: Ich werde diese eine Familie in den Slums nicht vergessen. Sie haben vor ihren Hütten kleine Öfen aus großen Steinen stehen und die Mutter kochte dort ein bisschen Reis mit Gemüse und sah uns kommen. Unser Begleiter erzählte, wo wir herkommen und dann wollte sie mit uns noch das bisschen, was sie hat, teilen. Das hat mich sehr berührt und zum Anfang total erschüttert. Ich bin dann zurück nach Hause gekommen und wusste, wofür es sich lohnt, sich zu engagieren.

Antje Coordt: Wir haben zwar schon viele Mitglieder, aber es bleibt harte Arbeit. Man muss durch sein Tun und durch das „wie“ präsent sein. Man muss sich immer wieder zeigen und auch dem Ziel, das der Verein verfolgt, treu bleiben. Ohne das Engagement der Mitglieder im Verein würde das überhaupt nicht gehen. Wir arbeiten alle zusammen und stehen hinter unserer Philosophie.

Welche Funktion erfüllen Sie beide im Verein? Sie haben ihn mitgegründet und sind auch im Vorstand?

Mandy Meißner: Ja, ich bin Schatzmeisterin und auch der stellvertretende Vorsitzende. Christin Juhnke ist unsere Schriftführerin und betreut zudem die online-Aktivitäten des Vereins.

 

Das bedeutet, in der Alltagsarbeit sind auch Sie vor Ort?

Mandy Meißner: Wir versuchen, alle Projekte und Aktionen mit unseren Mitgliedern gemeinsam zu bewältigen. Wir sind immer alle aktiv dabei. Wir haben viele ältere Mitglieder, die uns ganz toll unterstützen, weil wir drei beruflich alle stark eingebunden sind.

Antje Coordt: Wir alle arbeiten ehrenamtlich außerhalb unserer regulären Arbeitszeiten. Wir drei sind ein bisschen die Motoren und animieren die anderen und das ist sehr schön, wenn wir merken, es funktioniert und alle engagieren sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Christin Juhnke: Genau das muss man betonen: Wir haben fast alle einen Vollzeitjob als primäre Aufgabe. Jedes Mitglied engagiert sich in dem Umfang, wie es möglich ist. Natürlich haben wir auch einige Mitglieder, die nur Fördermitglieder sind. Dies hat aber auch damit zu tun, dass der Verein inzwischen so bekannt ist, dass wir Mitglieder nicht nur auf der Insel, sondern im gesamten Bundesgebiet haben. Für diese Mitglieder ist es natürlich schwierig, aktiv an Veranstaltungen mitzuwirken. Alle Veranstaltungen, die wir organisieren, organisieren wir aus unseren eigenen Mitteln heraus. Auch Reisekosten werden aus privaten Mitteln bestritten, das zahlen wir selbst.

Sie stellen sicher, dass die Spenden auch im Ausland langfristig etwas bewirken wie?

Antje Coordt: Wir stehen sehr für Nachhaltigkeit. Ein gutes Beispiel ist das Kinderwaisenheim in Bangladesch, das wir alle 2 Jahre persönlich besuchen. . Beim ersten Mal, als ich vor Ort war, hatten alle Kinder grüne Kleidchen an. Es wurde ein einziger Stoffballen gekauft und aus diesem Stoff bekamen alle Kinder gleichfarbige Kleider. Mit unserer Spende haben wir die Auflage verbunden, dass die Gelder natürlich primär für Essen, Trinken, Unterkunft ausgegeben werden sollen. Danach aber auch für Bildung und Kleidung, denn vor allem über die Kleidung wird den Kindern eine eigene Identität ermöglicht. Beim zweiten Besuch trugen schon drei, vier Mädchen geblümte Kleider, beim nächsten Mal war es schon mehr als die Hälfte und jetzt haben alle ihre eigenen individuellen Kleider. Vor Ort lassen wir uns regelmäßig die Haushaltsbücher mit Ein- und Ausgaben vorlegen. Mittlerweile hat das Heim Kühe gekauft, produziert seine eigene Milch, verkauft diese vor dem Heim, so dass es nachhaltig wirkt. Jetzt trägt sich das Heim zum großen Teil von selbst, sodass wir uns entschieden haben, den Geldzufluss etwas zu beschränken und uns anderen Projekten zuzuwenden, mit Kindern, die zurzeit einen größeren Bedarf haben. Deswegen sind wir jetzt auch in Brasilien aktiv, weil wir dort über brasilianische Bekannte von einem Projekt erfuhren, das diese Form der Nachhaltigkeit auch lebt. Dies bedeutet, brasilianische Helferinnen und Helfer gehen einmal wöchentlich in dieses Projekt für Straßenkinder und leisten dort Unterstützung. Vor Ort haben wir uns letztes Jahr angesehen, wie die Kinder leben und wie dort gearbeitet wird. Das ist das Spannende auf unseren Reisen, dass man direkt mit den Menschen in Kontakt kommt, denen man mit den Geldern, die hier in Deutschland gespendet werden, unmittelbar helfen kann.

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